BZ 90 Jahre Spvgg Untermuenstertal

 Mit dem Dosen-Kick fing alles an

Der Sportverein Untermünstertal feiert 90-jähriges Bestehen / Jubiläumsfeier in der Belchenhalle.

 

Die Gründerväter des SVU gewannen 1928 – damals im Kleid der DJK-Münstertal – die A-Klasse-Meisterschaft. Foto: Repro: Manfred Lange

MÜNSTERTAL. Mit einer großen Jubiläumsfeier erinnern am kommenden Samstag, 20. November, Gemeindeverwaltung Münstertal und Sportvereinigung Untermünstertal an die Anfänge des Fußballsports im Tal vor 90 Jahren.
Der Erste Weltkrieg war gerade zu Ende, da ließen sich im Jahre 1919 einige junge Burschen in Münstertal von dem aus England kommenden Fußballsport infizieren. Auf "Bruckmicheles" Matte am Taleingang (dem heutigen Campingplatz) und auf "Meyers" Matte (der heutigen Wasen-Siedlung) bolzten die Halbwüchsigen damals mit Konservendosen. Doch schon im Jahr 1920 wurde in "Bruckmicheles" Bienenhäusle der Sportverein Untermünstertal (SVU) von 18 sportbegeisterten Jungs aus der Taufe gehoben.

Dieses Ereignis jährt sich jetzt zum 90. Male, Anlass genug für die heutige Vereinsführung, gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung zu einem Jubiläumsabend in die Belchenhalle einzuladen. Dabei werden nicht nur die Fußballer zur Aktion schreiten sondern auch weitere Sportabteilungen, die inzwischen unter dem Dach des SVU eine Heimat gefunden haben.


Das war in den Gründerzeit Anfang der 20er Jahre noch ganz anders: Alles drehte sich um das runde Leder. Zur ersten Generalversammlung im Gasthaus Hof waren bereits fünf Dutzend Sportler zusammen gekommen. Das Sportgelände blieb ein Problem, auch als ab 1924 auf der Landenberg’schen Matte im Wasen gespielt werden durfte. Unter anderem der hohen Pacht wegen schloss sich der SVU als Sportabteilung dem Katholischen Jungmännerverein an, der "den Sportplatz und einen Teil der Schulden übernahm" (Zitat aus dem Tagebuch von Dekan Strohmeyer). Unter dem Dach der DJK Münstertal gelang der Start in eine sehr erfolgreiche Periode, die 1928 sogar die A-Klasse-Meisterschaft und den Aufstieg in die Gauklasse brachte. Mit dem Verbot des Katholischen Jungmännervereins 1933 war für die Fußballabteilung wieder ein Neuanfang angesagt – diesmal als Fußballclub Münstertal. Die örtliche NS-Führung wollte zwar alle Sport treibenden Vereine unter dem Dach der "Sportvereinigung" zusammenführen, doch es kam 1938 lediglich zu einer Eingliederung der Tischtennisabteilung, bis 1940 das gesamte Vereinsleben zum Erliegen kam. Auf dem Sportplatz standen jetzt Wehrmachtsbaracken.


Zu einem historischen Tag wurde der 14. Juli 1946. Unter der Firmierung Sportvereinigung Untermünstertal (Spvgg) kam es im "Löwen" zu einer Neu- beziehungsweise Wiedergründung des Vereins, der mit der Namensgebung deutlich machen wollte, dass innerhalb der Spvgg nicht nur Fußball gespielt wird. Hauptproblem war erneut das Sportgelände. Der brachliegende Platz war während der Kriegsjahre zur Kleingartenanlage umfunktioniert worden. Erst am Ende September 1948 trat der SVU zum ersten Punktespiel vor heimischem Publikum gegen Ehrenstetten an.


In den Folgejahren schlüpften weitere Sportler unter das Dach der Spvgg. Der Mitgliederstand katapultierte sich angesichts der Unterabteilungen innerhalb weniger Jahre auf weit über eintausend Mitglieder. Dominierend ist im mitgliederstärksten Verein des Tales indes bis heute die Fußballabteilung geblieben. Diese durchlebte in ihrer 90-jährigen Geschichte viele Höhen und Tiefen. Politische und wirtschaftliche Umstände führten dazu, dass der Verein mehrmals die Spielfelder wechseln und auch den Vereinsnamen modifizieren musste.


Höhepunkte in der Nachkriegsgeschichte waren das Jahr 1958 mit dem Meistertitel für alle drei aktiven Mannschaften, das Jahr 1965 mit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die 2. Amateurliga (für acht Jahre), das Jahr 1993 mit dem Aufstieg in die Landesliga und das Jahr 1995, als von den 13 Mannschaften gleich vier Meistertitel geholt wurden. 1990 wurde der Verein für seine erfolgreiche Jugendarbeit mit der Sepp-Herberger-Medaille ausgezeichnet. Hinsichtlich der Sportplatzfrage sollten die Jahre 1957 (mit der Verlegung von der Wasen-Siedlung aufs Gewann "Fischbächle" bei der Schule) und

2010 (mit der Installation eines Kunstrasens) in die Vereinsgeschichte eingehen.

Die Geschicke des Vereins sind nach dem Krieg ganz entscheidend geprägt worden von Manfred Burgert, der 35 Jahre lang das Vereinssteuer fest in Händen hielt, bis er es im Jahr 2009 an Christian Eckert weitergab, dessen verjüngtes Vorstandsteam jetzt das Jubiläum ausrichtet. Dieses wird gefeiert am Samstag, 20. November, ab 19.30 Uhr in der Belchenhalle mit einem großen bunten Abendprogramm, mitgestaltet von den Abteilungen des Vereins, musikalisch begleitet von der einheimischen Stimmungsband Original Obersteiger und moderiert von der SWR-Sportjournalistin und Fernsehmoderatorin Felicia Mutterer, ehemals aktive Fußballerin und sogar Torschützenkönigin bei der D-Jugend in Münstertal.